Afghanistan im April 2009 (TV-Beiträge)
Ein Beitrag des ZDF Magazins Frontal21 ließ heute, den 28.04.2009 tief blicken.
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Ein Bundeswehr-Offizier äußerte sich unerkannt vor der Kamera zur Lage im Raum Kunduz. Ein General wird mit kritischen Worten zitiert, der ebenfalls unerkannt bleiben möchte.
Die Anschlagstatistik weist für das Jahr 2007 um Kunduz 9, 2008 schon 31 und von Januar bis April 2009 bereits 19 Aktionen aus. Dabei stehen die Wahlen am 20.08.2009 noch bevor. Präsident Karsai kandidiert wieder. Trotz alle dem wissen wir bereits seit Februar 2009, dass er nicht wiedergewählt wird. Das haben einige der US-amerikanischen Vertreter auf der 45. Sicherheitskonferenz von München deutlich zum Ausdruck gebracht. Was sagt soetwas nun über freie Wahlen aus?
Fest steht, die Bundeswehr ist aktuell mit der Aufgabe der Eigensicherung voll ausgelastet. Der eigentliche Auftrag, das Absichern von Aufbauprojekten kann zurzeit nicht geleistet werden.
Wenn man dem Frontal21-Beitrag Vertrauen schenken darf, übermittelte das Bundesministerium der Verteidigung dem Verteidigungsausschuss beim Deutschen Bundestag verharmloste Informationen über die Lage vor Ort in der Provinz Kunduz. Herr Winfried Nachtwei war über die Presserecherche sichtlich überrascht und meinte: “Da wird etwas beschönigt.”.
Eine weitere Sendung des SWR BW vom 27.04.2009 die Herrn Peter Struck und Herrn Jürgen Todenhöfer zu Gast hatte, zeigte klar die politische Zwickmühle, aus der nur die Wähler unsere bewegungsunfähigen Volksvertreter befreien können.
Weiterhin möchten wir die PHOENIX Runde vom 01.04.2009 empfehlen. “Deutschland im Krieg – Raus aus Afghanistan?” – Anke Plättner im Gespräch mit Peter Scholl-Latour (Publizist), Khazan Gul (baut Schulen in Afghanistan), Gert Weisskirchen (SPD, außenpolitischer Sprecher) und Prof. Christian Hacke (Zeithistoriker).
Außerdem empfehlen wir noch einen Blick auf den Videostream: Unter den Linden vom 23.03.2009
Michael Hirz diskutierte mit Franz Josef Jung (CDU, Bundesminister der Verteidigung) und Jürgen Trittin (Stellv. Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen) zum Thema: “Vor dem Nato-Gipfel – Immer mehr deutsche Soldaten ins Ausland ?”
Man kann wirklich nicht behaupten, dass Afghanistan als Land, seine Menschen und das deutsche Engagement dort in den Medien zu kurz und zu unkritisch dargestellt werden.

Der Bundesaußenminister und Kanzlerkandidat Steinmeier reiste gestern, den 29.04.2009 unter strengster Geheimhaltung nach Kabul. Dort traf er sich mit Präsident Karsai – das hat die Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch vor wenigen Tagen nicht getan. Ein Zeichen des Wahlkampfes.
Im Raum Kunduz kam es während Steinmeiers Besuch in Kabul zu zwei massiven Anschlägen. Zunächst mit fünf verwundeten deutschen Soldaten und später mit weiteren vier verwundeten Bundeswehrsoldaten und einem ermordeten Kameraden.
Die Aktionen der Taliban werden mit Sicherheit in Verbindung mit dem Besuch des deutschen Politikers stehen. Es ist davon auszugehen, das die Anschläge vor den Wahlen in Afghanistan deutlich zunehmen werden. Wir trauern um alle unsere gefallenen Kameraden (31 bei ISAF) und mit ihren Angehörigen und Freunden.
Wir vom Arbeitskreis Darmstädter Signal fordern seit langem den Abzug der Bundeswehr aus dem Land, in dem unsere Freunde, insbesondere die afghanischen Freunde in großer Gefahr leben. Die ausländischen Uniformen ziehen den Terror an wie ein Magnet. Die militärische Karte hat keine Trumphwirkung mehr. Das Spiel auf Zeit der deutschen Regierung wird leider weitere Opfer zur Folge haben. Daran ändert auch die Aufforderung des Generalinspekteurs der Bundeswehr General Scheiderhan vom 03.02.2009 in Bonn nichts, als er gegenüber ca. 600 Gästen des sicherheitspolitischen Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung mahnte, dass jede kritische Stimme gegen das deutsche Engagement in Afghanistan von den Taliban wahrgenommen wird und als Motivation für ihre Aktionen dient. Das könnte fast als indirekter Eingriff in die Meinungsfreiheit derjenigen, die sich kritisch äußern, wie z.B. Peter Scholl-Latour, Jürgen Todenhöfer u.v.a.m., gewertet werden.
Asymmetrische Kampfhandlungen sind keine Erfindung der Neuzeit oder gar der Taliban, wie den militärhistorisch belesenen Menschen bekannt sein dürfte.
Die Taliban sind in Pakistan und Afghanistan dabei weiter an Einfluss zu gewinnen. Das hochtechnologische Know-How der NATO kann das nicht verhindern.
Vielleicht will die NATO das auch gar nicht.
Ist Afghanistan eventuell nur ein Testgebiet für neue Entwicklungen der Rüstungsindustrie?
Schließlich gibt es keine Strategie dort.
Es ist zwar kein Geheimnis, dass Soldaten hin und wieder in der Lage sind, mangelhafte Ausrüstung und schwache Führung zu kompensieren, wenn sie vom Sinn und der Gerechtigkeit ihres Handelns überzeugt sind, allerdings sind die westlich geprägten Soldaten von heute eher in einer virtuellen Welt zuhause als in der realen, wohingegen die spartanisch ausgerüsteten Taliban-Kämpfer ganz andere reelle Werte verteidigen. Vom westlichen Selbstverständnis des Daseins wollen sie sich aus bestimmten Gründen nicht überzeugen lassen.