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Nach dem Tod weiterer Bundeswehrsoldaten in Afghanistan jetzt die Eskalation beenden

Den Tod weiterer drei Bundeswehrsoldaten am Dienstag, 23.06.2009 im afghanischen Kunduz nahm Otmar Steinbicker, der Vorsitzende des Aachener Friedenspreis e.V., zum Anlass, in einem Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages dringend eine Beendigung der Eskalation anzumahnen.

„Lehnen Sie jetzt eine Ausweitung des militärischen Engagement in Afghanistan durch die offizielle Beteiligung deutscher Besatzungen auf dem Luftraumüberwachungssystem AWACS ab“, forderte Steinbicker die Abgeordneten auf.

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Der Aachener Friedenspreis e.V. hat in den vergangenen Jahren bei den Debatten über die Verlängerung des Afghanistanmandats immer wieder auf die Eskalationsgefahren dieses Militäreinsatzes hingewiesen und diplomatische Initiativen für eine Verhandlungslösung des Konfliktes gefordert. Sie haben immer wieder mehrheitlich diese Warnungen in den Wind geschlagen und die Zahl der Soldaten sogar erhöht sowie die Einsatzvarianten mit Tornados und Kampftruppen verschärft.

Wenn die US-amerikanische Illustrierte „Newsweek“ zum Amtsantritt von Präsident Obama auf der Titelseite vor Afghanistan als Obamas Vietnam warnte, dann sollte das auch Ihnen eine Mahnung sein! Wenn sich dieser Krieg von Woche zu Woche verschärft und immer mehr Ähnlichkeiten zum Vietnamkrieg aufweist, dann wird dieser Krieg nicht nur Obamas Vietnam, sondern auch das Vietnam der deutschen Bundesregierung und des Deutschen Bundestages!

Helfen Sie stattdessen mit, das Leben afghanischer Zivilisten wie auch deutscher Bundeswehrsoldaten zu retten, indem Sie die Bemühungen für eine Verhandlungslösung unterstützen, wie sie von der Nationalen Friedens-Jirga Afghanistans vorgeschlagen und in Umfragen von der Mehrheit des afghanischen Volkes gefordert werden. Drängen Sie zugleich die Bundesregierung auf einen raschen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.“

2 Kommentare zu Nach dem Tod weiterer Bundeswehrsoldaten in Afghanistan jetzt die Eskalation beenden

  • Peter

    Die Argumentation von Otmar Steinbicker basiert immer noch auf der Theorie der Spirale der Gewalt. Diese entsteht und entwickelt sich aber nur, solange beide Kontrahenten die Chance auf einen Sieg sehen. Andernfalls würde auch Herr Steinbicker heute noch als Werwolf durch die Gegend schleichen und Hinterhalte für die Besatzungstruppen der Alliierten legen. Der Sieg der Alliierten 1945 war aber so gründlich, dass jeglicher praktische Widerstand erlosch.

    Frei übersetzt heißt dies, dass unser militärisches Engagement weit hinter den zumindest behaupteten politischen Zielen der Bundesregierung hinterherhinkt. Hierbei sei an das Desaster bei der Polizeiausbildung erinnert. Eine endgültige Befreiung der Afghanen von den Taliban ist möglich, man muss sie aber wollen und die notwendigen Mittel einsetzen.

    Die Forderung nach einer Verhandlungslösung ist erschreckend und beweist eine absolute Unkenntnis der Lage. Besonders die Führungskader der Taliban bestehen mehrheitlich schon gar nicht mehr aus Afghanen. Die Taliban werden auch mehrheitlich von den Afghanen abgelehnt, selbst in paschtunischen Stammesgebieten. Herr Steinbicker wird hoffentlich nicht erwarten, dass die afghanische Regierung mit Terroristen ohne jegliche Legitimation verhandelt.

    Herr Steinbicker wünscht sich auch „das Leben afghanischer Zivilisten… zu retten“. Ob dies durch einen Rückzug der Bundeswehr realisierbar ist kann schlicht verneint werden. Er würde die automatische Rückkehr der Taliban bedeuten, solange die Afghanische Armee und Polizei nicht in der Lage ist für Sicherheit zu sorgen. Es scheinen in Deutschland sehr pittoreske Vorstellungen von der Herrschaft der Taliban zu existieren. Die damit verbundene Willkür und Unterdrückung ist in Deutschland allerdings schwer vorstellbar und stellt auch noch das DDR Regime in den Schatten. Ob Herr Steinbicker den Afghanen wirklich wieder Hängeparties im Stadion, Steinigungen, Hand- und Fußabhacken, Musik- und Tanzverbot, Schulverbot für Mädchen etc. zumuten will?

  • Lieber Peter,
    jeder Tote, ob Bundeswehrsoldat, Koalitionssoldat, Zivilist ist in Afghanistan einer zuviel. Die Alliierten siegten 1945 über das Hitler-Deutschland, dennoch zeichnet sich die afghanische Geschichte mit all ihren Konflikten seit der britisch-afghanischen Kriege im 19. Jahrhundert ganz anders.

    Wenn Deutschland mit jedem weiteren toten Soldaten immer fester am militärischen Einsatz festhält, dann droht Afghanistan zum neuen Vietnam der NATO zu werden. Das kann unmöglich im Interesse der deutschen Bevölkerung liegen.

    Ein Blick hinter die Kulissen verrät, dass Afghanistan überhaupt nicht befriedet werden soll. Siehe Zbigniew Brzenski oder Peter Scholl-Latour oder Jürgen Todenhöfer. Diese Herren irren sich mit nichten.

    Die Rüstungsbranche braucht Konflikte, um Waffen- und Abwehrsysteme entwickeln zu dürfen. Das ist ein Milliarden Markt mit einer gefährlichen Macht. Des Weiteren werden nur in Krisengebieten Waffen und Munition in Größenordnungen eingesetzt, dass die Auftragslage im Rüstungssektor, einem der mächtigsten Wirtschaftszweige neben der Öl- und Pharmaindustrie in unserer demokratisierten Welt, sichert (siehe auch Frontal21 ZDF am 23.06.2009).

    Europa ist befriedet. Das Militär vieler befriedeter Staaten mit wenigen Ausnahmen auch die Türkei (Kurdenkonflikt) und Spanien (Streit ums Baskenland) wird im Rahmen der Wohlstandssicherung in Krisenherden der Welt eingesetzt. Dabei gibt es weit mehr Krisenherde in der Welt als die einzelnen Staaten und ihre Bündnisse wie NATO, EUBG, etc. bewältigen könnten. Es werden demnach Regionen von politischem Interesse, wie z.B. Afghanistan, ausgewählt. Das belegt, es geht gar nicht primär um die Schutzbefohlenen im Krisengebiet.

    Die Taliban sind ohne Frage alles andere als nette Menschen nach den Informationen, die wir über unsere Medien erhalten. Ich verweise allerdings auf Dr. med. Reinhard Erös, der Mädchenschulen in paschtunischen Stammesgebieten erfolgreich und im Dialog mit Taliban betreibt. Wir dürfen nie behaupten, die Taliban wollen nur Gewalt und Schrecken verbreiten. Wer das sagt, kennt diese Menschen zu wenig. Wer das sagt, schaut nicht durch die Augen der Taliban, wie diese das Vorgehen der NATO in ihrem Heimatland sehen und bewerten.

    Warum schafft es ein hochtechnisiertes Militär nach sieben Jahren nicht, diese einfach kämpfenden Taliban unter Kontrolle zu bringen? Weil das Militär es trotz 4379 abgeworfener Bomben in 2008 nicht will und die Geheimdienste der Länder mit Interesse an Afghanistan es nicht zulassen. Weil die physische Stärke der afghanischen Menschen unterschätzt wird. Weil die sog. Aufständischen sich im Recht sehen (Zentralregierung Afghanistan durch den Westen eingesetzt, somit ebenso wenig durch das Volk legitimiert wie die Taliban). Ein derartiges System der Machtausübung, wie die Zentralregierung, ist unüblich in Afghanistan. Die traditionelle Jirga gehört an die Stelle der Zentralregierung.

    Die Kultur im Mittleren Osten wird durch westlich arrogantes Verhalten und respektloser Vorgehensweise schon gegenüber Teilen der Zivilbevölkerung beschmutzt. So können wir keine Herzen gewinnen in diesem wunderschönen Land. Unsere Vorstellung von Gerechtigkeit muss nicht die der afghanischen Menschen sein. Es gibt Gründe, warum Christen zum Islam konvertieren und sich auf die Seite der sog. Aufständischen schlagen. Untersuchen wir mal lieber die Ursachen dafür, dann werden sich neue Türen der Erkenntnis öffnen.

    Wer glaubt, gegen die Taliban durch Aufzwingen von Macht mit militärischer Potenz bestehen zu können, irrt gewaltig. Der Durchsatz in den Madrassi, den sog. Koranschulen von denen es ca. 17000 in Afghanistan und Pakistan gibt, bemisst sich auf ca. 4500 Schüler (Talib) pro Schule pro Jahr. Das bedeutet, der Talibannachwuchs ist riesig. Die NATO steht derzeit ca. 10 Millionen Taliban gegenüber und ca. 50 Millionen Paschtunen. Ich warne vor Genozid und plädiere für Aussöhnung.

    Ich unterstütze voll und ganz die Initiative von Otmar Steinbicker stellvertretend für die Friedensbewegung.

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