Britischem Obergefreiten Joe Glenton drohen zehn Jahre Gefängnis
Organisierte Kriegsgegner aus mehreren Ländern Europas, aus Israel, Australien und Veteranen aus den USA haben im Internet eine Unterschriftensammlung (Link siehe auch unten) gestartet, mit der sie den britischen Verteidigungsminister Bob Ainsworth aufrufen, die Anklage gegen Lance Corporal (Obergefreiten) Joe Glenton fallenzulassen. Glenton war verhaftet und in das Militärgefängnis Colchester in Essex gebracht worden, nachdem er am 24. Oktober auf einer Demonstration in London gesprochen und seine strikte Ablehnung des Krieges in Afghanistan erklärt hatte. Nun erwartet den 27jährigen ein Prozess wegen Desertion und fünfmaliger Befehlsverweigerung, der für ihn mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren enden kann. Am 18.November entschied ein Militärgericht, Glenton müsse bis mindestens Mitte Dezember in Arrest bleiben. Eine Haftverschonung sei nur möglich, wenn Glenton zusichern würde, künftig in der Öffentlichkeit zu schweigen.
Als Angehöriger des Royal Logistic Corps war Glenton im Jahr 2006 mit seiner Einheit nach Kandahar in Afghanistan verlegt worden. Zurück von diesem Kampfeinsatz äußerte er sich öffentlich, er sei beschämt und desillusioniert. »Die Afghanen griffen uns an, obwohl unsere Politiker sagten, wir würden ihnen helfen. Das hat mich sehr geschockt«, erklärte er. »Da wurde mir klar, dass an diesem Krieg etwas ernsthaft falsch war.«
Als Glenton 2007 mit seiner Einheit erneut nach Afghanistan verlegt werden sollte, setzte er sich unerlaubt von der Truppe ab und reiste zwei Jahre lang durch Südostasien und Australien. Bevor er sich im August 2009 freiwillig stellte, wandte er sich am 30. Juli mit einem Brief an den britischen Premierminister Gordon Brown, in dem er feststellte: »Der Krieg in Afghanistan reduziert nicht den Terrorismus. Weit entfernt davon, das Leben der Afghanen zu verbessern, bringt er Tod und Verwüstung in ihr Land. Großbritannien hat dort nichts zu suchen. Unsere Sache in Afghanistan ist weder gerechtfertigt noch richtig. Ich bitte Sie inständig, Sir, holen Sie unsere Soldaten nach Hause!«
Der internationale Zusammenschluss von Kriegsgegnern »War Resisters International«, sieht in den neuen Anklagen gegen Glenton aufgrund seiner Teilnahme an der Demonstration eine Verletzung des Rechts auf Redefreiheit. In einem Bericht an den Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen betonte die Organisation bereits im September, dass die Armeedirektive J5.581, wonach Mitglieder der Streitkräfte »nicht innerhalb von politischen Organisationen, Parteien oder Bewegungen aktiv werden« und »nicht an politischen Umzügen oder Demonstrationen teilnehmen dürfen«, einen ernsthaften Verstoß der Versammlungs- und Redefreiheit darstelle. Letztere seien durch den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte garantiert. Auch Chris Nineham von der »Stop the War Coalition« kritisierte: »Es ist empörend, dass Militärsprecher sich gegenüber den Medien über Gründe für die Fortsetzung dieses unpopulären Krieges äußern dürfen, aber jemand, der die Meinung von Millionen zum Ausdruck bringt, geknebelt wird.«
Glentons Anwalt John Tipple kündigte unterdessen an, sein Mandant werde sich nicht den Mund verbieten lassen, sondern fühle sich vielmehr »verpflichtet, sich weiterhin öffentlich gegen den Krieg zu äußern«. Glentons Ehefrau Clare wies gegenüber junge Welt außerdem darauf hin, dass bei ihrem Mann gerade eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden sei. Der zuständige Militärrichter habe jedoch eine Anhörung über die notwendige medizinische Behandlung abgelehnt.
Von Jürgen Heiser
Quelle: JW

Es erscheint mir wichtig und dankenswert, dass das Darmstädter Signal durch diese Protestaktion dabei mitwirkt, dass sich die Zivilgesellschaft Schritt für Schritt als international begreift. Wir müssen in allen sich einstellenden Situationen darauf hinwirken, dass die Menschenrechte als Werte gesehen werden, die universell und uneingeschränkt an jedem Ort der Welt für alle Menschen gelten.
@Ingrid Schittich
Ich stimme Ihnen in vollem Maße zu. Es gibt universelle Menschenrechte und es ist unsere Aufgabe, wir die wir dazu fähig sind, diese Menschenrechte auch denen zu geben, die sie noch nicht erleben dürfen. Dazu gehören ach die Menschen im Sudan, Tschad, Kongo, Guinea usw. Dazu gehörten die Tutsi in Ruanda, die friedlichen Menschen in Somalia, die Kosovaren (später die Serben im Kosovo) und auch die afghanische Bevölkerung hat es verdient diese universellen Menschenrechte zu erhalten.
Die westliche Welt bildet eine Zivilgesellschaft heraus die das Potential und die Fähigkeit hat dieses Ziel zu verfolgen. Mit Entwicklungshilfe, Hilfe zum Staatsaufbau \"good governance\" aber auch mit Hilfe des Militärs. Die oben aufgezählten Konflikte hätten mit einem entschlossenen Militäreinsatz und darauf folgender Friedenskonsolidierung schneller (oder überhaupt) beendet werden können. Es gibt Momente in denen Pazifismus nicht mehr durchsetzbar ist. Manche Gewalttäter oder Regierungen lassen sich nicht durch Diplomatie und Resolutionen aufhalten, sondern nur durch nackte Gewalt gegen sie und ihren Repressionsapparat.
Afghanistanverweigerer aus Großbritannien droht zehn Jahre Haft
Versenden Sie hier ein Protestfax an die britische Regierung !
(17.01.2010) Der Obergefreite Joe Glenton trat 2004 der britischen Armee bei und wurde 2006 nach Kandahar, Afghanistan, verlegt. Armee und Politiker hatten immer behauptet, britische Soldaten seien dort, um zu helfen. Joe Glenton war geschockt, zu sehen, wie stark die Soldaten tatsächlich von den Menschen in Afghanistan abgelehnt wurden.
Beschämt und ernüchtert verließ er 2007 unerlaubt seine Einheit. Zwei Jahre später stellte er sich und machte seine Verweigerung bei einer Demonstration öffentlich. Darauf hin wurde er nicht nur wegen Desertion, sondern auch mehrmals wegen Befehlsverweigerung angeklagt, womit ihm eine Haft von bis zu zehn Jahren droht.
Joe Glenton wurde nach mehrwöchiger Haft im Dezember 2009 auf Kaution freigelassen. Ein Termin für das Verfahren vor dem Militärgericht ist derzeit nicht bekannt.
Connection e.V. und Iraq Veterans Against the War Europe bitten um Unterstützung des Afghanistanverweigerers Joe Glenton. Protestfaxe können online über http://www.Connection-eV.de/aktion-gb.php versandt werden. Connection e.V. wird Ihre Nachricht per Fax an die britische Regierung weiterleiten.
Neun Monate Haft i.V.m. Dienstgradherabsetzung
Weil er nicht ein zweites Mal in Afghanistan dienen wollte, ist Joe zu neun Monaten Haft in einem Militärgefängnis verurteilt worden. Außerdem wurde der Gefreite am Freitag vom zuständigen Militärgericht in Colchester (Essex) im Südosten Britanniens zum einfachen Soldaten degradiert. Der 27-Jährige war der erste Brite, der sich weigerte, nach Afghanistan zu gehen. Ihm drohten ursprünglich bis zu zwei Jahre Haft. Sein Anwalt hatte in der Verhandlung geltend gemacht, dass Glenton seit einem ersten Afghanistan-Einsatz unter posttraumatischen Stresssymptomen leide.
Angehörige der britischen Friedensbewegung hatten am Prozesstag vor dem Militärgerichtshof in den Merville Barracks in Colchester demonstriert. aixpaix.de, Berliner Compagnie, Connection e.V. und Iraq Veterans Against the War Europe hatten in den vergangenen Wochen in Deutschland um Unterstützung des Afghanistanverweigerers gebeten.