Bischöfin Käßmann positioniert
Käßmann hatte in der Dresdner Frauenkirche in ihrer Neujahrspredigt gesagt, in Afghanistan schafften Waffen «offensichtlich auch keinen Frieden». Dies hatte bei Regierung und Opposition zum Teil scharfen Widerspruch ausgelöst.
Ein klare Votum der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Dr. Margot Käßmann gegen den Afghanistan-Krieg. Wir begrüßen ihre Aufforderung an die Politik, die Logik des Krieges zu durchbrechen. Nicht das Votum von Frau Käßmann gegen diesen Krieg, sondern das Votum der Politiker für dessen Fortsetzung gegen den Willen der Volksmehrheit ist unmoralisch.
Die finanziellen Ausgaben für den Bundeswehreinsatz stehen im eklatanten Missverhältnis zu den Ausgaben für die Entwicklungshilfe. Notwendig ist zudem eine klare Trennung zwischen Militär und Aufbauhilfe.
Uniformen und Bomben sind kontraproduktiv für den Frieden.
Mit Verärgerung und Unverständnis nehmen wir die derzeitigen Angriffe aus Politik, Medien und Militär auf die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zur Kenntnis.
Bischöfin Käßmann setzte sich in einem Interview, das die ‘Hannoversche Allgemeine’ am 24.12. 2009 online veröffentlichte, für einen baldigen Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan und für gewaltfreie Konfliktlösungen ein.
Im Interview sagte sie: ”Möglichst bald sollten die deutschen Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden. Allerdings kann der Rückzug nicht völlig überhastet stattfinden, weil man jetzt über die akut eingetretene Situation in Kundus erschrocken ist, sondern es muss über eine ruhige und geordnete Form des Rückzugs nachgedacht werden. … Mir geht es darum, dass wir endlich auch Wege debattieren und finanzieren, wie Frieden ohne Waffen geschaffen werden kann. … Die Akzeptanz in der [afghanischen] Bevölkerung für einen friedlichen Neuanfang ist ohnehin nur mit friedlichen Mitteln herzustellen.“

Dieser TAZ-Artikel beschreibt u.a. die Anfeindungen gegen Bischöfin Käßmann.
Damit hätte Bischofin Käßmann sicher nicht gerechnet.
Da spricht sie der deutlichen Bevölkerungsmehrheit in Deutschland aus der Seele und erntet so viel Gegenwind dafür. Jetzt wurde sie sogar vom Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg zu einem Gespräch in der Sache empfangen und schwupp, darf sie sofort in seiner Begleitung mit nach Afghanistan reisen. Ihr wird der rote Teppich ausgerollt und es wird sicher beste Mine zum Spiel in Afghanistan gemacht. Die Gehwege werden gefegt sein und die Militärfahrzeuge gewaschen.
Mich würde nicht überraschen, wenn Frau Käßmann ihre Meinung wieder revidieren würde. Denn am 28.01.2010 trifft sich auch der EKD-Rat und das könnte turbulent werden, denn die weihnachtliche (24.12.2009) Afghanistanpositionierung von Frau Käßmann geschah im Alleingang. Vielleicht fließen ja auch ein paar Euro in die Kirchenkasse. Na, das wäre ein Ding.
Mit Guttenberg habe sie “gar nicht so viele Meinungsverschiedenheiten”, sagte Frau Käßmann. Der Minister sei katholischer Christ und habe sehr wohl verstanden, es müsse “immer einen Vorrang für zivil geben”. Guttenberg hatte Käßmann am Montag getroffen und die Landesbischöfin dabei zu einem Truppenbesuch in Afghanistan eingeladen.
CSU-Chef Horst Seehofer forderte bei “Beckmann” am 11.1.2010 eine “klare juristische und politische Rückendeckung” für die deutschen Soldaten in Afghanistan: “Die halten, wenn ich das so salopp sagen darf, für uns den Kopf hin.” Auf die Frage, ob die Bundeswehr einen Krieg in Afghanistan führe, antwortete der bayerische Ministerpräsident: “Ja.” Seehofer plädierte für eine “stärkere Verzahnung des militärischen Mandats mit den zivilen Planungen” in Afghanistan.